Jobwechsel Schweiz: Was passiert mit Pensionskasse, Freizügigkeitskonto und Quellensteuer? Alle steuerlichen Pflichten und Fristen beim Arbeitgeberwechsel 2026.
30-Tage-Frist: Freizügigkeitsguthaben muss innert 30 Tagen an die neue PKS oder ein Freizügigkeitskonto gemeldet werden.
Zwei Lohnausweise: Im Wechseljahr erhalten Sie zwei Lohnausweise — beide müssen in der Steuererklärung deklariert werden.
Quellensteuer-Tarifcode: Beim neuen Arbeitgeber sofort den korrekten Tarifcode melden — sonst drohen Nachzahlungen.
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Guthaben und Zinssatz eingeben — der Rechner zeigt den Zinsverlust bei der Auffangeinrichtung vs. eine marktübliche Freizügigkeitsstiftung.
Sie wechseln den Arbeitgeber — oder befinden sich gerade zwischen zwei Stellen? Ein Jobwechsel in der Schweiz hat unmittelbare steuerliche und vorsorgerechtliche Konsequenzen: Das Pensionskassenguthaben muss innerhalb von 30 Tagen übertragen werden, bei Quellensteuer-Pflichtigen ändert sich der Abzug, und im Wechseljahr erhalten Sie zwei Lohnausweise für die Steuererklärung. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, was bei einem Jobwechsel in der Schweiz steuerlich zu tun ist.
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Wenn Sie den Arbeitgeber wechseln, muss Ihr bisheriges Vorsorgeguthaben — das sogenannte Freizügigkeitsguthaben — an die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers übertragen werden. Rechtsgrundlage ist Art. 3 Abs. 1 FZG (Freizügigkeitsgesetz), wonach die Austrittsleistung der abgebenden Einrichtung innert 30 Tagen zwingend weitergeleitet werden muss. Die aufnehmende PKS ist ihrerseits verpflichtet, Sie zum Mindestbetrag (Art. 17 FZG) in die Versicherung aufzunehmen.
Wichtige Fristen:
Steuerfolge: Das Freizügigkeitsguthaben ist nur steueraufschiebend — Steuern fallen erst bei Bezug an (Pensionierung, Auswanderung oder Aufnahme einer Selbständigkeit).
Herr Meier, 35, wohnt in Zürich und hat CHF 120'000 in der alten PKS angespart. Er meldet die neue Pensionskasse innert 20 Tagen. Das gesamte Guthaben wird direkt übertragen — steuerfrei, keine Handlung beim Steueramt nötig. Hätte er die 30-Tage-Frist verpasst, wäre das Geld bei der Auffangeinrichtung BVG gelandet, wo aktuell unter 1 % Zins vergütet wird. Auf CHF 120'000 sind das rund CHF 600 Zinsverlust pro Jahr — gegenüber CHF 1'200–2'400 auf einem marktüblichen Freizügigkeitskonto mit je nach Stiftung 1,0–2,0 % Verzinsung.
[!warning] 30-Tage-Frist nach Art. 4 FZG: Wenn Sie dem alten Arbeitgeber nach Ablauf von 30 Tagen keine Zieleinrichtung mitteilen, überweist die PKS das Guthaben automatisch an die Auffangeinrichtung BVG (Telefon: 041 799 75 75). Eine Rückübertragung ist möglich, kostet aber Zeit und Aufwand. Handeln Sie also sofort nach dem letzten Arbeitstag.
Weiterführende Informationen: Freizügigkeitskonto — Definition und Optionen · Zinsunterschied berechnen mit dem Freizügigkeitskonto-Rechner
Falls zwischen zwei Stellen eine Lücke besteht oder Sie vorübergehend keine Stelle antreten, müssen Sie ein Freizügigkeitskonto eröffnen. Pro Person sind maximal zwei Freizügigkeitskonten erlaubt (Art. 10 Abs. 1 FZV). Diese Begrenzung ist steuerlich bedeutsam: Zwei separate Konten ermöglichen bei der Pensionierung gestaffelte Kapitalleistungen in zwei verschiedenen Steuerjahren.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Direkte Anschlussstelle | PKS-Transfer direkt an neue PKS |
| Kündigung ohne Anschlussstelle | Freizügigkeitskonto eröffnen (30 Tage Frist) |
| Mehrere PKS-Guthaben | Auf max. 2 Konten aufteilen (für spätere gestaffelte Auszahlung) |
| Auszeit > 12 Monate | Prüfen, ob Bezug bei Aufnahme Selbständigkeit möglich |
Steuerlicher Nutzen der Staffelung: Zwei Freizügigkeitskonten ermöglichen bei der späteren Pensionierung eine gestaffelte Auszahlung über zwei Jahre — das senkt die progressive Kapitalleistungssteuer. Im Kanton Bern spart die Aufteilung von CHF 300'000 auf zwei Jahrestranchen typischerweise CHF 6'000–14'000 gegenüber einer Einmalzahlung. Zürich und Aargau kennen analoge Steuerprogression bei Vorsorgebezügen.
Frau Keller, 40, hat nach dem Jobwechsel für vier Monate keine Anschlussstelle. Ihr Freizügigkeitsguthaben beläuft sich auf CHF 85'000. Sie eröffnet bei einer Schweizer Freizügigkeitsstiftung ein Konto, das zu 1,75 % verzinst wird. Vier Monate später tritt sie die neue Stelle an — das Guthaben wird nahtlos an die neue PKS übertragen. Hätte Frau Keller das Konto nicht eröffnet und das Geld wäre stattdessen zur Auffangeinrichtung gegangen, hätte sie auf CHF 85'000 über vier Monate rund CHF 420 Zinsen weniger erhalten.
[!tip] Zwei Konten für die Pensionierung planen: Eröffnen Sie bereits beim ersten Jobwechsel absichtlich zwei Freizügigkeitskonten mit je hälftigem Guthaben. So sichern Sie sich die steuerliche Staffelungsoption für die Pensionierung — ohne später umstrukturieren zu müssen. Eine Aufteilung nach der Pensionierung ist nicht mehr möglich.
Vertiefte Anleitung: Freizügigkeitskonto — vollständiger Ratgeber
Quellensteuer-Pflichtige (Ausländer ohne Niederlassungsbewilligung C) müssen beim Arbeitgeberwechsel beachten: Der neue Arbeitgeber zieht ab dem ersten Lohn die Quellensteuer ab und ist für die korrekte Tarifcode-Anwendung verantwortlich. Ändert sich der Zivilstand oder die Kinderzahl im Wechseljahr, muss der Tarifcode aktiv angepasst werden — die Meldung erfolgt durch Sie an den neuen Arbeitgeber, nicht automatisch durch das Steueramt. Rechtsgrundlage ist Art. 88 Abs. 1 DBG, der den Arbeitgeber als Schuldner der Quellensteuer definiert.
Wer im Wechseljahr Einkünfte aus zwei Arbeitsverhältnissen hatte, kann eine nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV) beantragen — dies ist in vielen Kantonen ab CHF 120000 Jahreseinkommen sogar obligatorisch. Eine freiwillige NOV lohnt sich, wenn Sie hohe Abzüge (Säule 3a, Berufsauslagen, Weiterbildung) geltend machen möchten; die Rückerstattung übersteigt den Aufwand häufig deutlich.
Herr Costa aus Brasilien, B-Ausweis, wohnt im Kanton Aargau. Er wechselt im März die Stelle: Alter Arbeitgeber hat CHF 20'000 (Januar–März) abgerechnet, neuer Arbeitgeber zahlt CHF 90'000 (April–Dezember). Der alte Arbeitgeber hat Tarifcode A0 verwendet (ledig, keine Kinder), der neue ebenfalls. Herr Costa hat im Oktober geheiratet — der korrekte Code wäre ab Oktober C0. Da er den Wechsel dem neuen Arbeitgeber erst im Dezember meldet, wird für zwei Monate zu viel Quellensteuer abgezogen: rund CHF 800. Durch eine NOV im Folgejahr erhält er den Betrag vollständig zurück. Legt er zusätzlich CHF 7258 in die Säule 3a ein, resultiert ein weiterer Rückerstattungsanspruch von ca. CHF 2'100 (Grenzsteuersatz ca. 30 %).
[!info] NOV-Antrag nach Jobwechsel: Wer im Wechseljahr Quellensteuer zahlt und hohe Abzüge geltend machen will, stellt den NOV-Antrag bis zum 31. März des Folgejahres beim kantonalen Steueramt (z. B. Zürich: Formular "Antrag auf nachträgliche ordentliche Veranlagung", online via zh.ch/steuern). Im Kanton Aargau läuft der Antrag über das Steuerportal AG-Steuerportal. Die NOV gilt für das gesamte Steuerjahr — eine Teilveranlagung nur für den Quellensteueranteil ist nicht möglich.
Mehr zur Funktionsweise: Quellensteuer erklärt — Tarifcodes, NOV und Fristen · NOV prüfen mit Avenzo
Im Jahr des Jobwechsels erhalten Sie zwei Lohnausweise: einen vom alten und einen vom neuen Arbeitgeber. Beide müssen in der Steuererklärung unter "Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit" (Formular 1 in Zürich bzw. Formular 2 in Bern) deklariert werden. Das Steueramt addiert die Beträge zu einem Jahreslohn und besteuert diesen einheitlich nach dem ordentlichen Tarif.
Weitere steuerrelevante Punkte:
Frau Weber, Zürich, erhält vom alten Arbeitgeber nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit eine Abgangsentschädigung von CHF 30'000 gemäss Art. 17 Abs. 1 DBG. Ihr Lohn aus beiden Stellen beträgt zusammen CHF 100'000. Das zu versteuernde Gesamteinkommen im Wechseljahr beläuft sich auf CHF 130'000. Auf den Lohnanteil von CHF 100'000 hätte Frau Weber in Zürich (Steuerfuss 119 %, Gemeinde Zürich-Stadt) rund CHF 18'200 Gesamtsteuer gezahlt. Durch den Bonus-Effekt der CHF 30'000 steigt das steuerbare Einkommen um CHF 30'000 in eine höhere Progressionsstufe: Der Grenzsteuersatz liegt bei ca. 32 %, was auf die CHF 30'000 zusätzlich rund CHF 9'600 Steuern ergibt — nicht CHF 30'000 × Durchschnittssatz. Frau Weber kann diesen Progressionssprung durch eine maximale Säule-3a-Einzahlung von CHF 7258 um rund CHF 2'200 dämpfen.
[!example] Abfindung und Grenzsteuersatz: Eine Abfindung von CHF 30'000 wird nicht pauschal zum Einkommensdurchschnittssatz besteuert, sondern trifft den Grenzsteuersatz des Gesamteinkommens (Art. 17 Abs. 1 DBG). Bei einem Jahreseinkommen von CHF 130'000 in Zürich-Stadt liegt dieser bei rund 32 %. Wer den Auszahlungszeitpunkt beeinflussen kann — z. B. Verhandlung der Abfindung für das Folgejahr bei einem Stellenantritt im Dezember — kann durch den Jahressprung mehrere tausend Franken Steuern sparen. Besprechen Sie dies mit einem Treuhänder.
Die Säule 3a ist an keine Arbeitsstelle gebunden — sie läuft nach dem Jobwechsel unverändert weiter. Auch in Phasen der Stellenlosigkeit können Sie weiter einzahlen, sofern Sie ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen erzielen. Die Einzahlung reduziert das steuerbare Einkommen direkt: Im Kanton St. Gallen spart ein Steuerpflichtiger mit CHF 90'000 Einkommen durch die maximale Säule-3a-Einzahlung rund CHF 2'000 Kantons- und Gemeindesteuer. In Zürich liegt die Einsparung je nach Gemeinde zwischen CHF 1'800 und CHF 2'400.
| Situation | Säule 3a Einzahlung möglich? |
|---|---|
| Angestellt (neue Stelle) | Ja, bis CHF 7258 |
| Kurze Arbeitslücke (< 1 Monat) | Ja, anteilig |
| Längere Stellenlosigkeit | Nur wenn anderes AHV-Einkommen vorhanden |
| Selbständig geworden | Ja, bis 20 % des Nettoeinkommens (max. CHF 36288) |
Ein oft übersehenes Detail: Auch wenn Sie im Wechseljahr einen Monat ohne Lohn zwischen den Stellen haben, können Sie den vollen Jahresbeitrag einzahlen — entscheidend ist, dass im Steuerjahr insgesamt AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen anfällt, nicht dass Sie für 12 volle Monate angestellt waren.
Herr Brunner, Aargau, kündigt per Ende April und beginnt die neue Stelle am 1. Juni. Im Mai erzielt er kein Einkommen. Sein Jahreslohn beträgt trotzdem CHF 95'000 (4 Monate alter AG + 7 Monate neuer AG). Da er AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen hat, darf er den maximalen Beitrag von CHF 7258 einzahlen. Bei einem Grenzsteuersatz von 29 % im Kanton Aargau ergibt das eine Steuerersparnis von rund CHF 2'000 — eine risikofreie Rendite auf dem Vorsorgekonto.
[!tip] Säule 3a im Wechseljahr maximieren: Zahlen Sie auch dann den vollen Betrag ein, wenn Sie im Wechseljahr einen Monat ohne Einkommen hatten. Die Einzahlung muss bis zum 31. Dezember des jeweiligen Steuerjahres erfolgen (Wertstellungsdatum massgebend). Im Folgejahr entfaltet sie ihre volle steuerliche Wirkung in der Veranlagung.
Ein Jobwechsel löst in der Schweiz mehrere Fristen und Pflichten gleichzeitig aus. Wer sie kennt und konsequent einhält, vermeidet teure Versäumnisse — und nutzt die steuerlichen Chancen des Wechseljahres vollständig aus.
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Stand: April 2026. Quellen: BSV BVG/3. Säule, ESTV Kreisschreiben, Art. 17 DBG. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Das Guthaben wird von der alten PKS an die Auffangeinrichtung BVG überwiesen. Dort ist die Verzinsung tief (aktuell unter 1 %). Sie können das Guthaben jederzeit auf ein reguläres Freizügigkeitskonto mit besseren Konditionen übertragen lassen.
Nein — ausser bei Auswanderung, Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder wenn das Guthaben unter CHF 2'000 liegt und kein Anschluss an eine neue PKS besteht. Sonst muss das Guthaben als Freizügigkeitskapital übertragen werden.
Nein. Die Säule 3a bleibt bei der Bank oder Versicherung und ist vollständig unabhängig vom Arbeitgeber. Sie führen das Konto einfach weiter und können bis CHF 7258 einzahlen.
Häufig ja. Mit hohen Abzügen (Säule 3a maximum, Berufsauslagen, Weiterbildungskosten) kann die NOV zu einer Rückerstattung führen, die den Aufwand deutlich übersteigt. Ab CHF 120000 ist die NOV in vielen Kantonen ohnehin obligatorisch.
Jobwechsel Schweiz: Was passiert mit Pensionskasse, Freizügigkeitskonto und Quellensteuer? Alle steuerlichen Pflichten und Fristen beim Arbeitgeberwechsel 2026.